Vor einigen Tagen las ich einen Artikel, ein Interview eigentlich, in einer österreichischen Zeitung. Dieser machte mich nachdenklich und diese Gedanken dazu möchte ich mit euch teilen. Ich sage hier bewusst nicht wo und welchen Artikel genau und auch nicht wer hier interviewt wurde, darum geht es hier nämlich nicht. Es geht mir hier darum Missverständnisse auszuräumen.

Was heißt es denn programmieren zu können?

Es tut mir leid, dass viele immer noch denken diese Fertigkeit sei etwas Abstraktes oder gar Neues. Nein. Programmieren ist wie Lesen, Schreiben und Grundrechnungarten etwas, dass jeder lernen kann.

Viel wichtiger aber ist, dass es auch eine Basisfertigkeit für viele andere Tätigkeiten ist. Stellt euch mal vor ihr könntet nicht lesen. Dies würde euch nicht nur daran hindern das nächste Game of Thrones Buch zu verschlingen und so vor der Ausstrahlung der Serie im TV zu wissen wie es weitergeht, ihr wüsstet nichts mit WhatsApp anzufangen und auch sonst wäre die Welt ohne geschriebene Worte ganz schön verwirrend.

Aber es gilt auch noch etwas anderes. Nur weil ihr Schreiben könnt seid ihr noch kein Autor, der gut genug ist damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Umgekehrt gibt es hier sehr wohl eine Abhängigkeit. Um hauptberuflich Autor zu werden müsst ihr Schreiben können.

Ist man nun also ein Programmierer wenn man “nur programmieren” kann? Um das zu beantworten müssen wir wohl vorher noch etwas klären.

Was ist denn ein Programmierer?

Ich mag diese Bezeichnung ja gar nicht. Denn legt man sie wieder auf die Fertigkeit des Schreibens um, so wäre jemand der schreiben kann ein Schreiber. Das ist doch ziemlich allgemein, oder? Das sagt mir nicht ob der Schreiber nun ein richtig guter Autor, ein Journalist bei einer Zeitung oder einfach nur jemand der gerade in diesem Moment einen Einkaufszettel schreibt ist.

Ich bevorzuge Entwickler als Bezeichnung für meine Tätigkeit. Denn wir, die Entwickler mit Leib und Seele, entwickeln Lösungen. Ein Programm, welches es zu programmieren gilt, ist ein Teil einer Lösung. Meist sind es viele Komponenten die miteinander arbeiten, flexibel, effizient, skalierbar und ganz nebenbei noch sicher sein müssen. Es sind ganze Systeme, die man nur so konzipieren kann wenn man sie bis ins kleinste Detail, die letzte 0 und 1 am kleinsten Transistor, mit all seinen Konsequenzen versteht. Dafür muss man programmieren können, aber das ist, wie aus besagtem Interview zitiert, nicht genug. Nur war es das eben noch nie wenn man Qualität liefern will.

Zu sagen es mache keinen Sinn “nur programmieren” zu lehren, ist wie zu sagen es mache keinen Sinn nur schreiben zu lehren. Ist den jeder der die Schule beendet sofort dazu bereit Autor zu werden? Ich glaube nicht. Wie werden denn Autoren zu Autoren? Sie schreiben. Sie sammeln Erfahrungen. Sie setzen sich nicht hin und schreiben ein grobes Skript, ohne je selbst ein Buch geschrieben zu haben, schicken die Stichwörter für die einzelnen Kapitel nach Indien und erwarten dann einen Bestseller zurück zu bekommen und auch dabei selbst KnowHow zum Schreiben eines Buches zu erlangen.

Wenn wir Qualität liefern wollen und uns so als Experten auf verschiedenen Sektoren etablieren wollen, dann sollten wir dafür sorgen das nötige KnowHow im Haus zu haben. Wir brauchen Leute die programmieren können und dies auch tun. Wir brauchen sie als Entwickler, die hier nach deren Ausbildung die Chance bekommen in unserer Wirtschaft von den Seniors im echten Leben zu lernen und aus ihrer gelernten Fertigkeit eine Expertise zu machen. Wir brauchen sie aber auch als Software Architekten und Berater. Denn wie trifft man denn Entscheidungen wenn man die Technik darunter nicht im kleinen Finger hat und dies ist nur möglich wenn man aktiv damit arbeitet. In der Software Entwicklung ist ein Jahr in dem man nichts getan hat eine unendliche Ewigkeit. Man ist kein Software Architekt ohne auch ein Programmierer zu sein. Man ist nicht in der Lage Systeme in Power Point zu designen und sie dann von bis dahin unbeteiligten Fließbandprogrammierern magisch in Qualitäts-Software verwandeln zu lassen.

Wir als österreichische IT Wirtschaft sollten uns über jeden der “nur programmieren” kann freuen. Denn er hat schon die Basisfertigkeit um so viele verschiedene Rollen in unseren Firmen besser zu besetzen als jene die “nur Powerpoint” können. Man muss sie aufnehmen und ihnen die Chance geben zu lernen, unter der Führung eines Seniors, einem Manager für Software Entwicklung, damit sie selbst Spezialisten werden, damit man als Firma sich durch Qualität in den Produkten abheben kann und man so erfolgreicher ist als jene deren Produkt nicht mehr wert ist als ein Billiglohnland. Fertigkeiten lernt man in der Schule, Expertisen erlangt man nur in der echten Arbeitswelt. Wir als Österreich werden wohl eher kein großes Rohstoffexportland werden, deshalb sollten wir uns auf das besinnen was wir einst waren und wieder werden sollten, ein Land, welches Expertise und hochwertige Produkte liefert und das gilt auch für Software.